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Typographie

Eine anspruchsvolle typo­graphische Text­gestaltung umfasst einiges mehr als Schrift­wahl, Ein­richtung des Satz­spiegels und Umbruch­kon­trolle. Indem der Typo­graph das Erschei­nungsbild eines Textes ent­wirft, ver­ant­wortet er seine Les­bar­keit, die sich direkt auf die Verständ­lich­keit aus­wirkt. Eine gute Typo­graphie berück­sichtigt daher die physio­logischen Prozesse beim Lesen, damit der Gehalt eines Textes durch das Medium der Schrift reibungs­los trans­portiert werden kann. Neben der Ein­haltung der Ortho­typo­graphie (der richtigen Ver­wendung von Zeichen) gilt es bei der Text­einrichtung alle Fak­toren zu bedenken, die den Lese­fluss bedingen: Schrift­größe, Zeilen­abstand, Zeilen­länge, Zeilen- und Seiten­umbrüche, Wort­abstände sowie das Kerning (Ausgleich kritischer Buch­staben­abstände) können die Les­barkeit entweder fördern oder behin­dern.
     Darüber hinaus ist es ebenso Aufgabe des Typo­graphen, Raum­auf­teilung und Abstände auf Seiten, die zusätz­lich zum Text auch Tabellen, Fotos, Illu­stra­tionen oder andere Graphiken ent­halten, sorg­fältig anzu­legen. So wird eine gleich­mäßige Spannung zwischen allen Seiten­elementen gewähr­leistet.

Neben diesen grundlegenden und tech­nischen Aspek­ten muss der Typo­graph sich auch stets mit den Texten selbst befassen. Bei der Gestal­tung von komp­lexen wisse­nschaft­lichen Schriften etwa ist ein gewisses Maß an metho­dischem Hinter­grund­wissen unver­zicht­bar. Da Typo­graphie aber immer poten­tiell sinn­gebend ist, die visu­elle Kom­ponente eines Textes also durch­aus Bedeu­tung tragen kann, stellt sich für den Gestalter die Frage, woran er sich orien­tieren sollte, um eine ange­messene Form für seinen Text zu finden.
     Zu berücksichtigende Aspekte können hier sein mani­feste Text­infor­matio­nen (lite­ra­rische Gattungs­merk­male, epochale Zu­ord­nung, Adap­tion bestimm­ter Tradi­tio­nen oder gar kon­kreter Texte) und her­meneu­tisch-rezep­tion­sästhe­tische Sub­strate (Gefühls­welt, Kern, Aus­sage­absicht, Cha­rak­ter eines Tex­tes). Allein die Schrift­wahl kann einen Bezug her­stellen zur Ent­stehungs­zeit des Tex­tes, zum Stil des Autors oder zur His­tori­zität der Hand­lung. Schrift kann aber auch im Bezug auf den Leser eine gegen­warts­nahe Inter­preta­tion fördern, sich nach dem Alter des Publi­kums oder natio­nalen Lese­gewohn­heiten richten.
     Besondere Heraus­forderungen ent­stehen dann, wenn der Text und seine typo­graphi­sche Gestalt sich gegen­seitig bedin­gen, die Bedeu­tung sich nur aus der un­auf­lös­baren Ver­bindung von inhalt­licher und visu­eller Ebene ergibt.
     Da jedoch oftmals mehrere dieser Forderungen und Prin­zipien mit­einan­der kon­fligie­ren, sind kon­struk­tive Dia­loge und kon­krete Ab­sprachen mit Auto­ren, Heraus­gebern und Ver­lagen unab­ding­bar.

   

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